Leitlinien des ambulanten Hospizdienstes

ORGANISATION

1. Wir verstehen uns vorrangig als ambulant arbeitende Mitarbeitende, die sich ehrenamtlich und  unentgeltlich engagieren und  der Schweigepflicht unterliegen.

2. Unsere Unterstützung und Begleitung gilt schwerkranken und sterbenden Menschen, ihren Angehörigen und Freunden.

3. Unser ehrenamtlicher Einsatz geschieht im Auftrag  der Hospizbewegung Peine e.V. Die Grundlagen unserer Arbeit sind die Satzung des Vereines sowie die gesetzlichen Regelungen zur Arbeit eines Ambulanten Hospizdienstes.

PERSONELLE QUALIFIKATION

4. Wir bringen als ehrenamtlich arbeitende Begleiterinnen unterschiedliche Lebens- und Berufserfahrungen sowie eine spezifische Vorbereitung für die Begleitungsarbeit mit.

Begleitende Fortbildung und Austausch in der Gruppe sind unverzichtbarer Bestandteil unserer Arbeit.

ZIEL UND GRUNDLAGE UNSERER ARBEIT

5. Der schwer kranke und sterbende Mensch steht mit seinen individuellen Bedürfnissen und seinen eigenen Vorstellungen vom Leben und Sterben im Mittelpunkt unserer Arbeit.

6. Ziel ist es, die Wünsche und Bedürfnisse der zu begleitenden Menschen ungeachtet ihres Lebensalters wahrzunehmen, ihre Lebensqualität im Alltag zu fördern, den Abschied würdevoll zu begleiten und die individuellen Trauerwege der Beteiligten zu unterstützen.

7. Je nach den Wünschen und Bedürfnissen der zu begleitenden Menschen  und nach unseren Fähigkeiten sind wir mit unserer Achtsamkeit und Präsenz als Mitmensch da, gesprächsbereit und offen für die jeweilige Situation.

8. Wir sehen Menschen als eigenständige, in sich wertvolle Persönlichkeiten. Die individuelle Verschiedenheit wird von uns genauso respektiert und geachtet wie die damit einhergehenden vielfältigen und ganz unterschiedlichen Möglichkeiten, das Leben zu leben und Entscheidungen zu treffen.

9. Wir suchen dabei immer nach Wegen, die Sprache der zu begleitenden Menschen zu verstehen (verbale und nicht verbale) und bemühen uns, selbst eine Sprache zu sprechen (ob in Worten, Bildern oder Gesten), die der andere Mensch verstehen kann.

10. Wir gehen davon aus, dass wir einen Zugang zu Menschen gewinnen, wenn wir ihnen mit der Einstellung begegnen, dass ihr Verhalten, Handeln, Denken und Fühlen für sie selbst eine Bedeutung hat, die wir manchmal nicht verstehen, jedoch akzeptieren und ernst nehmen. Allein schon der Versuch ‚zu verstehen‘ verändert die Qualität einer Beziehung zum Positiven hin.

11. Einfühlung und helfende Kommunikation sind für uns wichtige Fähigkeiten in der Begleitung. Wir versuchen, die Gefühle des Gegenübers sensibel zu erfassen. Gegebenenfalls fragen wir nach, um uns zu vergewissern, ob wir richtig verstehen. Unsere Aufgabe ist es nicht, andere Menschen zu interpretieren oder einzuordnen, sondern zu versuchen, sich in ihr Erleben und in ihre Welt hineinzuversetzen. Die Erfahrung, verstanden und nicht beurteilt zu werden, ist ein großer Wert an sich und führt dazu, sich angenommen zu fühlen und angenommen zu sein.

12. Wir nehmen Menschen als ganze Person an und akzeptieren sie ohne zu werten, so wie sie sind mit all ihren Möglichkeiten und Schwierigkeiten. Das heißt nicht, alles gut zu heißen, was eine Person tut, sondern anerkennen zu können, dass sie einen Grund für ihr Handeln hat. Nicht werten bedeutet sehr wohl, eigene Werte zu haben, diese aber nicht anderen Menschen aufdrängen zu wollen.

13. Wir begegnen anderen Menschen als Mitmensch und sind als Person präsent, wahrnehmbar und ansprechbar.

14. Wir lassen uns in der Beziehung zu den zu begleitenden Menschen nicht von eigenen Bedürfnissen bestimmen. Wir ermöglichen eine verlässliche Beziehung und finden eine angemessene Balance zwischen Nähe und Distanz.

15. Wir wissen, dass in der Begleitung schwerstkranker und sterbender Menschen die Sorge um das eigene Wohl unerlässlich ist. Erst die Bewusstheit und Reflektion der eigenen geistigen und geistlichen Grundhaltung (Spiritualität) ermöglicht das Wahrnehmen und Beachten der spirituellen und psychischen Entwicklung der begleiteten Menschen. Wir lernen dann von und mit dem Gegenüber, der den für sich passenden Weg am Ende seines Lebens sucht. Dabei bedarf es keiner festen Antworten. Die Betroffenen selbst geben den entscheidenden Fingerzeig auf ihre eigene Spiritualität.

Die in der Begleitung von uns Mitarbeitenden gelebte Grundhaltung darf diesen Leitlinien nicht widersprechen, sonst ist eine Zusammenarbeit im Rahmen der Hospizarbeit nicht möglich.

INSTRUMENTE DER QUALITÄTSSICHERUNG

16. Zu unserer eigenen Unterstützung und Weiterbildung wird ein geeignetes Angebot an Fortbildung, Beratung, Supervision, Vernetzung und Austausch (fachlich und persönlich) bereitgehalten. In der Situation einer Begleitung ist die Teilnahme an der Supervision bindend, generell wird sie gewünscht und erwartet.

17. Ein sach- und fachgerechtes Dokumentationssystem der ehrenamtlichen Begleitung wird durchgeführt.

Published on  06.11.2017